Öffentliches Meerwasserschwimmbad in Mazatlán von Colectivo Urbano

publiziert in sb 6/2018

 

Einhundert Jahre und zwei Hurrikane später

Im historischen, aus dem Pazifik gespeisten öffentlichen Schwimmbad Carpa Olivera in Mazatlán ist die Geschichte auch nach der Renovierung allgegenwärtig. Der Eintritt ist frei. Neu sind eine Wasserrutsche, ein Wasserspiel, eine Rampe für Rollstuhlfahrer sowie neue Sanitäranlagen und Umkleiden. Für den Entwurf zeichnet Colectivo Urbano verantwortlich.

Das ursprüngliche Carpa Olivera wurde 1915 erbaut, inspiriert von ähnlichen Meerwasserbädern in Lissabon. Mitten in der Altstadt von Mazatlán bildete es am Olas Altas-Strand einen sozialen Treffpunkt. Die Stars jener Zeit trafen sich gerne dort, für Touristen gehörte das Schwimmbad zum Pflichtprogramm. 1954 wurde das Carpa Olivera durch einen Hurrikan schwer verwüstet und lag in der Folge verlassen da. Doch nach einer Weile kehrten die Menschen zurück. 2004 wurde die Anlage instandgesetzt, danach jedoch vernachlässigt und fiel schließlich dem Vandalismus zum Opfer.

Skulptur am Meer

Colectivo Urbano, eine auf Projekte zur Aufwertung des öffentlichen Raums spezialisierte Partnerschaft aus fünf Architektur-, Landschaftsarchitektur- und Städtebaubüros, ergriff schließlich die Initiative. Die Rettung des öffentlichen Schwimmbads wurde vorgeschlagen. Hierzu erfolgte die Kontaktaufnahme mit der Investitionsabteilung der Stadt Mazatlán unter der Leitung von Architekt Roberto Díaz. Die Idee: Renovierung und Reinigung des gezeitenabhängigen Bads, um es wieder zu alter Größe zurückzuführen, und Erweiterung um ein neues spielerisches Element in Form einer spiralförmigen Rutsche, die Anwohnern und Besuchern die Wiederbelebung des sozialen Treffpunkts eindrucksvoll vor Augen führen sollte. Zugleich zieht sie als Skulptur am Meer alle Blicke auf sich.

Nachhaltiges Konzept

Im Rahmen des Nachhaltigkeitskonzepts wurde an ein Unternehmen aus der Nähe die Konzession für den Betrieb eines Kiosks erteilt, verbunden mit der Pflicht, ein Auge auf das Bad zu haben, um die Instandhaltung und Überwachung sicherzustellen. Das Konzept sorgt für optimale Betriebsbedingungen, ohne dass der Stadt Mazatlán unmittelbare Kosten entstehen.

Auf der oberen Ebene der Anlage wurde in Anbindung an die Promenade ein offener Bereich als Aussichtsplattform gestaltet, auf der auch eine alte Meerjungfrau-Skulptur ihr neues Zuhause gefunden hat. Eine umlaufende Bank lädt Passanten ein, Platz zu nehmen und die Aussicht auf den Horizont und den wunderschönen Sonnenuntergang zu genießen.

Wenn man die Rampe hinuntergeht, erreicht man zunächst einen von Kokospalmen beschatteten Platz mit Kiosk. Auf der unteren Ebene wurde ein separater Bereich mit einer langen Bank entlang des Wasserspiels eingerichtet. Hier können Kinder entspannen, bevor sie schwimmen gehen oder die Wasserrutsche hinaufklettern, um sich ins nasse Vergnügen zu stürzen. Duschen und Toiletten runden die Infrastruktur ab.