Offene, nachhaltige und multifunktionelle Betreibungsgrundsätze: die Erfolgsmodelle des IAKS Seminars „Kommunale Freiräume“ in Paderborn, 15. Juni 2016

Freiräume: ein wunderschönes Wort, das im Ohr der Menschen, die öffentliche Räume für ihre sportlichen Aktivitäten suchen, wie eine Verheißung klingen. Aber, gibt es sie wirklich im öffentlichen Raum und, wie sollten sie aussehen, damit die Menschen ihre eigenen Bewegungswünsche leben können? Damit beschäftigte sich das Freiraum-Seminar in Paderborn an ganz konkreten, gebauten praktischen Beispielen.

Rund 55 Planer, Mitarbeiter aus Sport- und Umweltämtern, Vereinsvorstände sowie Branchenvertreter informierten sich über attraktive Sport-und Bewegungsräume für Vereine und die Öffentlichkeit. Das Seminar „Kommunale Freiräume für Sport und Bewegung“, das die IAKS Deutschland am 15. Juni 2016 in Paderborn veranstaltete, bot erstklassige Bedingungen zur Fortbildung, interdisziplinärem Erfahrungsaustausch und Networking. Besonders großen Anklang fanden die Besichtigung des Ahorn-Sportparks Paderborn und des Trainings- und Nachwuchleistungszentrum des SC Paderborn 07 e.V.

Die Vorträge stehen den Teilnehmern und exklusiv allen IAKS Mitgliedern zur Verfügung. Weitere Impressionen auf flickr.

Den Auftakt bildete eine beispielhafte Sporthalle, ein geniales, hochmodernes Projekt, das bereits auf 30 Erfolgsjahre zurückblicken kann: der Ahorn-Sportpark. Geschäftsführer Ralf Pahlsmeier erläuterte, was Freiraum in einer gedeckten Großsporthalle bedeutet: die Halle ist ein offener, vielfältig teilbarer gebauter Körper, der für fast jede Sportart, jeden Sport- und Bewegungskurs, für jede Sportgruppe durch wenige Änderungen ein Sportfeld mit Geräten gestaltet. Hier kann der Menschen „seinen“ Raum finden. In diesen Räumen erlebt er sich wirklich „frei“, sein Raum ist weder genormt, vorbestimmt, noch funktional definiert oder unveränderbar. An diesem ersten Beispiel konnten die Teilnehmer den Begriff Freiraum sehr gut fassen.

Brinja Klemp und Thomas Berger von der Stadt Bielefeld stellten einen Sport- und Freizeitpark vor, der das gelungene Ergebnis einer Umwandlung eines Fußball-Grandplatzes in einen „Park“ mit Bewegungsgelegenheiten darstellt, der sich hervorragend in einen bereits gestalteten Parkraum integriert. So erhalten die Bewohner von Schildesche für relativ wenig Geld einen neun Bouleplatz, Räume für Skater, Inliner, Rollhockeyspieler, eine BMX-Bahn und Plätze für Geselligkeit. Ein wichtiger Erfolgsgarant war die sehr gute Zusammenarbeit alles beteiligten Ämter (Sport, Umwelt, Grünflächen, Stadtplanung, Bezirksamt, Stadtwerke, Immobilienserverice).

Genau diese intersektorale Arbeit ist auch offensichtlich der Schlüssel für das innerstädtische Gelingen für eine solche Querschnittsplanung, weil sie in viele Fachgebiete eingreift.

Der Inselpark von Hamburg-Wilhelmsburg ist mittlerweile ein vielfach beachtetes Modell eines Sportparks, der insbesondere die Menschen in sozial und räumlich belasteten Wohnquartieren einen zentralen, vielseitigen Bewegungsraum bietet, der Kinder, Jugendliche und Familien anspricht. Frau Beate Wagner-Hauthal, die diesen Park wesentlich mit anderen Experten entwickelt und geplant hat und nun hauptamtlich betreut, berichtete anschaulich, wie ein Park durch Modellierungen des Geländes und Bewegungsinseln hoch attraktive, anregende Räume schafft und täglich Hunderte von jungen Menschen und Familien anzieht. Die Offenheit dieses Parks lässt Raum für freies Spielen, für szenische Sportformen, für Übungen und individuelle Aktivitäten. Der Park wurde zum wahren Freiraum für Sport.

Ein wesentliches Planungsprinzip für Freiräume ist die Multifunktionalität. Jonas Heidbreder vom Planungsbüro Pätzold+Snowadzky zeigte, wie beispielsweise durch besondere Kunststoffbeläge, Veränderungen von Platzmaßen, zusätzlichen Feldlinien, Überdachungen und Nutzung von Flächen aus bisher nur monofunktional nutzbaren Normfeldern multifunktional verwendbare Sporträume werden. Dadurch können sie mehr Menschen aufnehmen und sind vielseitig für neue Bewegungsmöglichkeiten nutzbar. Genormte Flächen werden oft nur für bestimmte Sportarten aufgesucht, was ein erheblicher Ressourcenverbrauch ist, da nur wenige Menschen diese Räume nutzen. Durch eine Auflösung der Normen öffnen sich neue Freiräume, ohne dass bisherige Funktionen unmöglich werden.

Ulf Elsner, ebenfalls Planungsbüro Pätzold+Snowadzky, zeigte das Beispiel eines Sportplatzes in Iserlohn, der in eine öffentliche Spiel- und Freizeitsportanlage umgewandelt wurde. Sehr deutlich wies er darauf hin, dass vor einer jeden Freiraumplanung unbedingt eine intensive Bedarfsanalyse des bisherigen Bestandes an Sporträumen und der Wünsche der Bürger in Erfahrung zu bringen sind, damit die neue Anlage auch angenommen und nachhaltig genutzt wird. Die kooperative Planung erfordert Zeit, fachlichen Austausch und Abstimmungen innerhalb der Kommune. Nicht nur, weil es gilt, Freiräume zu realisieren, sondern es müssen auch Variablen wie Lärmbelastung, Verkehr, Anwohner, Finanzmittel, Pflege und Sicherheit beachtet werden. Auch dieses Freiraumbeispiel wies auf ein wesentliches Merkmal von guten Freiräumen hin: Eine Freiraumplanung darf sich nicht nur auf die Bereitstellung von bestimmten Flächen oder Bewegungsgeräten begrenzen. Viel wichtiger ist die Atmosphäre des Freizeitparks. Sie bestimmt letztlich, ob ein neuer Freiraum wirklich angenommen wird.

Zum Schluss der Tagung spannte Prof. Dr. Robin Kähler den Bogen über alle Projekte und wies anhand praktischer Beispiele darauf hin, dass eine Freiraumplanung immer zuerst mit der Antwort der Kommune auf die Frage beginnen müsse, warum sie überhaupt einen neuen Freizeitpark, einen öffentlichen Freiraum für Spiel und Sport oder neue Bewegungsgeräte bereitstellen möchte. Wie lautet die Vision? Soll beispielsweise die Stadt bekannter, die Menschen glücklicher, die Gesundheit der Bürger verbessert werden? Erst daran schließt sich die Fragen an, wodurch diese Vision erreicht werden soll und erst wiederum danach, mit welchen konkreten Maßnahmen die Vision für die Menschen verwirklicht werden kann. Insofern unterscheiden sich auch grundsätzlich die Visionen erheblich voneinander, die mit einem Sportzentrum, einem Sportpark, einem Parksport, einem Freizeitpark oder einem Park, der auch für sportliche Zwecke geeignet ist, verbunden sind. Jeder Freiraum ist einzigartig, es gibt keine allgemeingültigen Modelle, die auf jede Kommune übertragen werden können. Jede Vision hat „ihren“ eigenen Freiraum.

Freiraumanlagen sind, das hat die Tagung sehr anschaulich und vielseitig aufgezeigt, Bewegungsräume, in denen Menschen vielfältige Bewegungsanregungen erhalten, aber auch ihre je eigenen Ideen entwickeln können. Die IAKS Deutschland setzte mit diesem Seminar wichtige Grundlagen für eine kommunale Planung.

Virtuelle Tour durch den Ahorn-Sportpark