Sportanlage und Bibliothek Hebburn Central in Hebburn von FaulknerBrowns

publiziert in sb 6/2016

Lesen, Spielen, Schwimmen

Das neue Zentrum umfasst eine Vielzahl verschiedener Einrichtungen, darunter ein 25-Meter-Becken mit 6 Bahnen, ein Lehrbecken, einen Fitnessclub, Tanzstudios, eine Vierfachsporthalle, einen Kunstrasenplatz der dritten Generation und einen Spielplatz. FaulknerBrowns realisierten eine optische und räumliche Verschmelzung des städtischen Bürgerservices mit Büroflächen und Räumen für Vereinstreffen und Veranstaltungen. Mittelpunkt des rechtwinkligen Gebäudekörpers ist die 5.800 m² große öffentliche Bücherei mit Medienzentrum.

Das Projekt bildet die erste Phase eines ehrgeizigen Revitalisierungsprogramms für das Stadtzentrum von Newcastle upon Tyne, das zum Ende des 20. Jahrhunderts erheblich unter den Auswirkungen der Deindustrialisierung in der Region zu leiden hatte. Die für Hebburn Central gewählte Lösung zeichnet sich durch ihren konsequenten Modulcharakter aus. Das Gebäude nimmt das industrielle Erbe des Standorts auf mittels Nutzung von Technologien und Fertigbauverfahren, welche die für Hebburn charakteristische, im Maschinen- und Schiffsbau verankerte Tradition versinnbildlichen.

Dank der neu angelegten, von Nord nach Süd verlaufenden Straßen konnte die für ein Sechs-Bahnen-Becken erforderliche Fassadenlänge in Ost-/West-Richtung realisiert werden. Die einfallende Morgensonne dient der passiven Erwärmung der Schwimmhalle und senkt den Wärmeenergiebedarf. Gleichzeitig wird ein wichtiger Baustein des urbanen Gefüges wiederhergestellt, der durch den Abriss alter Wohnblocks weggefallen war. Angestrebt wurde eine geringe Gebäudehöhe in Anpassung an die umliegende Wohnbebauung, zur Vermeidung von Windkanälen und Schließung der Brache im Stadtzentrum mit einer angepassten standortgerechten Architektur.

Ein Gebäude im Dienst der Gemeinschaft

Vom Foyer aus fällt der Blick in die Schwimmhalle und erlaubt so Einblicke in die spannenden Aktivitäten im Gebäudeinneren, sodass die Nutzer schon bei ihrer Ankunft in das sportliche Geschehen einbezogen werden. Im Eingangsbereich befinden sich zudem ein Café und eine Sitzecke mit Blick auf das Kinderbecken. Hier können Eltern in gemütlicher Atmosphäre etwas trinken und gleichzeitig ihre Kinder beim Spielen oder Schwimmkurs beobachten.

Bibliothek und Bürgerservice befinden sich im Erdgeschoss und werden direkt über den Haupteingang erschlossen. Die Besprechungsräume des Bürgerservices liegen neben dem zentralen Informationsschalter. Hier finden unterschiedlichste Gespräche statt, von persönlichen Beratungen bis hin zu allgemeinen Informationsveranstaltungen zu städtischen Leistungen. Auch die Nebenräume der Bibliothek sind in diesem Gebäudeteil angeordnet und können bei Bedarf für Besprechungen oder Veranstaltungen zusammengelegt werden. Der Fitnessclub mit 60 Geräten sowie die Tanz- und Trainingsstudios sind ebenfalls vom Foyer aus einsehbar und motivieren die Besucher, die neuen Einrichtungen auszuprobieren und selbst aktiv zu werden.

Form und Funktion des Gebäudekörpers

Der Schlüssel zum architektonischen Erfolg des Projekts war die umfassende Nutzung von Fertigbauteilen und standardisierten großformatigen Stahlverkleidungen, mit denen die industrielle Vergangenheit des Standorts mit modernen, zeitgemäßen Formen und Materialien neu interpretiert wurde.

Die Gebäudehülle besteht aus FSC-zertifizierten Holzsubstratpaneelen im Format 1,2 x 4,0 Meter. Ergänzend zu den hochisolierenden vorgefertigten Paneelen wurde ein witterungsbeständiges Stahlfassadensystem entwickelt. Architektonische Gestaltung und Materialwahl wurden im Einklang miteinander konzipiert, um den sichtbaren Eindruck des Gebäudes (Struktur, Funktion und Form) mit dem unsichtbaren Einfluss (Kultur, Kontext und Wirtschaft) über Form, Gebäudetypus und Materialien zu verbinden.

Die Fensterflächen wurden nach Osten, Westen und Norden ausgerichtet, um einen hohen G-Wert (Energiedurchlassgrad) sicherzustellen und auf leistungsstarke Schutzfolien verzichten zu können.

Die großflächigen Glaselemente an der Hauptfassade sind mit 300 mm tiefen Lamellen auf 1200 mm-Trägern ausgestattet. Dies sorgt im Sommer an Vormittagen für eine kontrollierte passive Solarenergienutzung und unterstützt den optimalen Energiedurchlassgrad des Glases unter Vermeidung einer umfassenden UV-Schutzverglasung.

An der Schwimmhallenfassade fungieren diese Lamellen als Träger für ein Metallgeflecht, das die spektrale Reflexion auf der Wasseroberfläche dämpft (Lichtreflexion auf der Wasseroberfläche aus einer bestimmten Höhe, sodass das Aufsichtspersonal den Beckenboden nicht mehr sehen kann). So wurde der Kunstlichtbedarf bei gleichzeitiger Senkung des Energiebedarfs reduziert.

Optimierte Energienutzung

Eine der zentralen Strategien, die zusammen mit dem hocheffizienten Gebäudehüllensystem zum Einsatz kam, war die vollständige Verwendung der in der Sporthalle erzeugten Wärme zur Beheizung des Schwimmbadwassers in den Sommermonaten. Wassergekühlte Umwälzpumpen kommen in Kombination mit einer gasbetriebenen Kraft-Wärme-Kopplungsanlage zum Einsatz. Da das Wasser für die Schwimmbecken ganzjährig beheizt und die Sportflächen fast das gesamte Jahr über klimatisiert werden müssen, wird die Wärme aus den Sportbereichen über Wärmepumpen abgeleitet und zur Wassererwärmung genutzt. Diese Pumpen sind effizienter als luftgekühlte Pumpen und unterstützen eine wechselseitig ­optimierte Energienutzung in den verschiedenen Gebäu­de­­­teilen. Das Gebäude verfügt über ein EPC-Rating der Kategorie A, eine ungewöhnlich hohe Energieklasse für Gebäude mit Schwimmhallen im Vereinigten Königreich.

Dank standortferner Vorfertigung der für die Gebäudehülle eingesetzten Bauteile und technischen Anlagen konnten das Bauschuttaufkommen minimiert und eine hohe Ausführungsqualität sichergestellt werden. 98 % der Baustellenabfälle wurden deponiert, 99 % der Bauarbeiter kamen aus einem Umkreis von rund 30 km.